S-Bahn-Halt für Darmstadt West - Einfache Verbesserung im bestehenden Netz
Nächster Halt: “Darmstadt - Mainzer Strasse”.
So, oder so ähnlich, könnte es lauten. Der Darmstädter Nordwesten bekommt einen eigenen S-Bahn Halt. Auf der bestehenden S-Bahn Strecke zwischen Darmstadt und Frankfurt.
Aber vorab noch ein kurzer Abstecher in die Theorie: Der Verkehr auf der Schiene in Deutschland unterscheidet sich im Personenverkehr unter anderem durch die Funktion der jeweiligen Züge und den Abstände zwischen den Halten. Im Fernverkehr (z.B. ICE) stehen schnelle Verbindungen zwischen großen Städten im Fokus und die Abstände zwischen den Halten liegen in der Regel zwischen 30 und 70 Kilometern.
Im Regionalverkehr verkürzen sich die Abstände: Der Regional-Express (RE) verbindet größere Städte und überspringt kleine Haltepunkte oder Ortschaften, wodurch typische Halteabstände von etwa 10–30 km entstehen. Die Regionalbahn (RB) erschließt auch kleinere Orte und hat daher dichtere Halteabstände von etwa 4–10 km.
Die am dichtesten beieinander liegenden Haltepunkte gibt es bei der S-Bahn, da diese vor allem für den Stadtverkehr und Metropolregionen konzipiert ist: Hier liegen die liegen die Stationen oft nur 1–2 km auseinander.
Diese Abstände sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Abwägungsprozesses. Während der Fernverkehr möglichst schnell große Distanzen überbrücken soll, zielt die S-Bahn darauf ab, möglichst viele Menschen im Alltag gut erreichbar im Stadt- und Metropolengebiet anzubinden.
Bis auf eine Ausnahme liegen alle S-Bahn Stationen zwischen Frankfurt - Darmstadt bei 2-3 km Abstand
Die S-Bahn Rhein-Main weist zwischen Darmstadt und Frankfurt genau diese typischen Übergänge mit Halteabstände von maximal 3 km auf – also klar im Bereich eines aufgelockerten Stadt- bzw. Vorortnetzes. Jedoch mit einer Ausnahme: Die Strecke zwischen Darmstadt Hauptbahnhof und Darmstadt-Arheilgen hat mit rund ca. 5 km eine nahezu doppelt so hohe Entfernung! Nun könnte man denken, dass dies aufgrund von zu niedriger Besiedlung oder Wald- und Ackerflächen der Fall ist. In diesem Fall negativ, es handelt sich um den sehr aktiven Darmstädter Nordwesten mit pulsierenden Gewerbe- und Wohnvierteln.
Vor diesem Hintergrund ist die Prüfung eines zusätzlichen S-Bahn Haltes für die Stadtentwicklung relevant. Mit einem neuen S-Bahn-Haltepunkt, entstünden nicht nur zwei kürzere Halteabschnitte, sondern werden auch die relevanten Einzugsgebiete sinnvoll eingebunden. Relevante Gewerbe- und Industriegebiete mit namhaften Unternehmen, frequentierte Geschäftsgebieten, Wohngebiete wie Riedbahn und Waldkolonie und auch Weiterstadt würden wesentlich besser angebunden.
Einzugsgebiet: Tägliche Verbesserung für 50.000 Personen und Vielzahl an Unternehmen
Ein großes Einzugsgebiet profitiert: Allein in den Darmstädter Stadtteile Riedbahn und Waldkolonie wohnen 10.000 Einwohner. Weiterstadt (ca. 30.000 Einwohner) und weitere Darmstädter Stadtteile profitieren von der pragmatischen Weiterentwicklung hinzu einem Darmstädter S-Bahn Netz mit einer vierten S-Bahn Station nach DA Hbf, DA- Arheilgen und DA- Wixhausen. Von Vorteil ist die gute Anbindung der Station Mainzer Strasse sowohl in die westlichen Stadt- und Gewerbegebiete als auch die direkte ÖPNV und Strassenanbindung an die Darmstädter Innenstadt. Essenziell dienlich ist die verbesserte Anbindung für den gesamten Wirtschaftsstandort Darmstadt, da große Gewerbe- und Industriegebiete unmittelbar anschließen.
Wirtschaftlichkeit und Fahrzeiteffekte
Ein neuer S-Bahn Halt ist mit Aufwand verbunden. Neben dem Bau barrierefreier Bahnsteige und Zugänge sind auch Anpassungen an Signaltechnik und Fahrplan notwendig. Die Kosten liegen typischerweise im Millionenbereich. Damit sich ein neuer Halt lohnt, sind grob etwa 900 bis 1.000 Ein- und Ausstiege pro Tag erforderlich. Dieser Wert liegt im Bereich typischer Vorort-Stationen und erscheint für den Standort Mainzer Strasse, in der Verbindung zwischen Darmstadt und Weiterstadt erreichbar – insbesondere durch die Kombination aus Wohngebiet, Arbeitsplätzen und Umsteigebeziehungen.
Wohingegen sich die S-Bahn- Fahrtzeit zwischen DA- Hbf und DA- Arheilgen (und zwischen allen folgenden Stationen) um etwa zwei Minuten verlängert, bietet die verbesserte Anbindung auf vielen Gesamt-Fahrtstrecken große Fahrtzeit-Reduzierungen.
Kleine Verbesserungen im Bestand mit großer Wirkung
Insgesamt zeigt sich: Die Struktur des Bahnnetzes folgt klaren, gut nachvollziehbaren Prinzipien. Der Raum Darmstadt bildet dabei ein anschauliches Beispiel für den Übergang vom dichten Stadtverkehr zur regionalen Erschließung – und genau deshalb ist auch die Diskussion um einen zusätzlichen S-Bahn-Halt dort fachlich sehr gut begründbar. Es ist spannend wer diese Low Hanging Fruit als erstes pflückt.